Einbecker lassen sich von »Men in Black« mitreißen

Begeistertes Publikum bei rasanter Show mit Soul, Swing und Rock’n’Roll im Wilhelm-Bendow-Theater

Wir sind nicht die Blues Brothers, aber wir sind seelenverwandt. Und wir haben einen wichtigen Auftrag: Musik machen, die Körper, Geist und Seele berührt, und hier eine Party zu feiern.« Nein, die legendären Musikfilm-Helden waren sie nicht, die »Men in Black«, die jetzt im Wilhelm-Bendow-Theater gastierten. Sie traten zwar ebenfalls mit schwarzen Anzügen, weißen Hemden, schwarzen Hüten und – ganz wichtig – Sonnenbrillen auf, sie waren aber mehr als die optischen Vorbilder.

Einbeck (ek). Bernhard »Max« Merkel, Sascha Münnich und Karsten Eggers verwandelten sich in Joe Cocker und Elvis Presley, Queen, die Beatles und die Sänger des »Rat Pack« wie Dean Martin oder Frank Sinatra. Bei ihrem mehr als zweieinhalbstündigen Konzert schafften sie zudem, was nicht jedem in Einbeck gelingt: das Publikum schon beim dritten Stück von den Sitzen zu reißen.

Aus dem Dunkel tauchten die Bandmitglieder und die »Men in Black« auf der in blaues Licht
getauchten Bühne auf, und schnell hatten sie die Zuhörer im nahezu ausverkauften Bendow-Theater im Griff: »Lassen Sie’s raus! Sind Sie bereit für die Show?«, da schallte ihnen ein donnerndes Ja entgegen. Ob »New Orleans«, »Gimme Some Loving« oder »Under the Moon of Love«, die Einbecker ließen sich beim Mitsingen nicht lange bitten, und für »Aaah«, »Oooh« oder »Hey« auf Kommando gab es das augenzwinkernde Kompliment, »groovig« zu sein.

Bill Hailey, Elvis Presley, Chuck Berry, »Rock’n’­Roll Music«, »Johnny B. Goode«, »Rock’n’Roll is King« oder »Jail House Rock«, »Leroy Brown« und »Ain’t that a Kick in the Head« in Erinnerung an die Las-Vegas-Auftritte des »Rat Pack«: Die »Men in Black« begeisterten bei ihrer »Great Voices Show« mit Interpretationen von Klassikern aus 40 Jahren Musikgeschichte dicht am Original, aber dennoch mit individuellem Stil. So manch einer der Zuschauer, von denen sich etliche sogar mit Sonnenbrillen und Hüten ausgerüstet hätte wohl nicht erwartet, an diesem Abend zu schunkeln: Mitgemacht haben trotzdem nahezu alle zu Dean Martins »That’s Amore«. Ganz schnell dann der Wechsel zu einem anderen Genre und Queens »Crazy Little Thing Called love«, und die beiden Sängerinnen konnten im Stil Tina Turners unter anderem zu »River Deep, Mountain High« glänzen. Aber nicht nur Tempo bestimmte die Show, sondern mit »Hey Jude« zeigten die »Men in Black«, dass sie auch die ruhigeren Töne beherrschen, um nach der Pause mit »Peter Gun« wieder druckvoll einzusteigen.

Etwas souliger sollte es werden, so die Ankündigung, und so durfte der »Soul Man« fehlen, ebenso wenig »I Feel Good«. Nach »I Will Follow Him« und »Old Time of Rock’n’Roll« führten »Everybody Needs Somebody« direkt zu den »Blues Brothers«, und wohl jeder konnte danach »Rocking All Over the World« mitsingen: »And I like it, I like it, I like it, I like it, I li-li-like it«; ähnlich eingängig bohrten sich »The Wanderer« und »That’ll be the Day« in die Gehörgänge und übernahm die Gewalt über die Füße, die wippten, und die Hände, die klatschten. Großartig war Joe Cockers »With a Little Help From My Frieds« ­– samt Schrei –, und die Eagles hatten im Reigen der Klassiker mit »Heartache Tonight« ihren verdienten Platz.

Die zu Recht begeisterten Einbecker, die schon längst in den Reihen standen, erklatschten sich nach der mitreißenden Show zwei Zugaben, und eigentlich wollten sie danach immer noch nicht nach Hause, aber mit »Don’t Stop Thinking About Tomorrow« schickten die Musiker viele glückliche und be-swingte Besucher in den späten Abend. Der üppige, anhaltende Beifall war mehr als verdient – die »Men in Black« dürfen gern wiederkommen, denn es warten noch viel mehr Klassiker aus Swing, Soul und Rock’n’Roll…

Pressekritik Einbecker Morgenpost, 29.04. 2014